Brustschmerzen bei Belastung

Warum eine ärztliche Abklärung so wichtig ist.

„Ich empfehle Ihnen eine zeitnahe Herzkatheteruntersuchung.“
„Ach nee, dabei war es doch so nett bei Ihnen.“

So oder ähnlich höre ich es in meiner (Online-)Sprechstunde. Ich freue mich, wenn sich Patient:innen bei mir wohlfühlen. Aber mein Job ist es, ehrlich zu beraten, auch wenn es unangenehm ist.

Typische Symptome einer koronaren Herzerkrankung

Die koronare Herzerkrankung (KHK) zeigt sich oft schleichend und wird deshalb leicht unterschätzt. Typische Beschwerden, die ernst genommen werden sollten:

  • Brustschmerzen oder Druckgefühl bei Belastung („Angina pectoris“)
  • Ausstrahlende Schmerzen in Arm, Rücken, Kiefer oder Oberbauch
  • Luftnot bei körperlicher Anstrengung
  • Engegefühl in der Brust oder ein „Herz, das schneller schlapp macht“
  • Schwindel oder ungewöhnliche Müdigkeit unter Belastung
  • Druckgefühl in der Magengegend oder zwischen den Schulterblättern

     

Diese Symptome treten meist bei körperlicher Belastung auf und bessern sich in Ruhe. Genau das ist ein Warnsignal: Der Herzmuskel bekommt in diesen Momenten zu wenig Sauerstoff.

Achtung: Diabetiker, ältere Menschen und Frauen können oft untypische Symptome wie  Oberbauchschmerzen, Übelkeit, Kurzatmigkeit, starkes Herzklopfen und extreme Müdigkeit zeigen!

Welche Untersuchungen sinnvoll sind

Indirekt (nicht-invasiv)

 

  • Myokardszintigraphie
  • Stressechokardiographie
  • Stress-MRT

     

Diese Methoden prüfen, ob der Herzmuskel unter Belastung ausreichend Sauerstoff bekommt. Ihre Genauigkeit liegt bei etwa 80 %.

Koronar-CT-Angiographie

 

  • Eher geeignet bei niedrigem bis mittlerem Risiko.


Direkt (invasiv)

  • Herzkatheteruntersuchung
  • Hier werden die Herzkranzgefäße direkt dargestellt.
  • Genauigkeit: nahezu 100 %, allerdings mit einem kleinen Eingriffsrisiko.

Zahlen & Fakten – wie häufig führt KHK zu Herzinfarkt?

  • Koronare Herzkrankheit (KHK) ist weltweit die häufigste Herz-Kreislauf-Erkrankung und eine führende Ursache für Herzinfarkte und Todesfälle. Allein in den USA kommt etwa alle 40 Sekunden ein Herzinfarkt vor 
  • In Deutschland treten jährlich mehr als 300.000 Herzinfarkte auf, wovon ca. jeder fünfte  symptomlos (Silent MI) verläuft, besonders bei älteren Patient:innen oder Menschen mit Diabetes 

Warum manchmal keine Zeit für Umwege bleibt

Bei Patient:innen mit typischen Belastungsschmerzen und mehreren Risikofaktoren sind mir 20 % Unsicherheit zu hoch. Darum empfehle ich in solchen Fällen den direkten Weg über die Herzkatheteruntersuchung.

Die Entscheidung liegt am Ende aber bei den Patient:innen selbst.
Meine Aufgabe als Kardiologin ist es, aufzuklären und zu beraten, ohne zu drängen.

Mein Appell

Belastungsabhängige Brustschmerzen sind kein Bagatell-Symptom.
Sie müssen ärztlich abgeklärt werden, um eine koronare Herzerkrankung frühzeitig zu erkennen und das Risiko für Herzinfarkt zu senken.

FAQs zu Brustschmerzen

Wenn sie bei Belastung/Ruhe auftreten und ggf. mit Luftnot verbunden sind.

Bei Angina pectoris ist die Durchblutung der Herzkranzgefäße eingeschränkt, beim Herzinfarkt ist ein Gefäß komplett verschlossen.

Über eine Arterie am Handgelenk oder in der Leiste wird ein Katheter zu den Herzkranzgefäßen vorgeschoben. Mit Kontrastmittel können Engstellen sichtbar gemacht und ggf. mit einem Stent (kleines Drahtröhrchen=Gefäßstütze) aufgeweitet werden. 

Keymessage

Brustschmerzen bei Belastung gehören immer ärztlich abgeklärt. Je früher wir eine koronare Herzerkrankung erkennen, desto besser lassen sich Komplikationen vermeiden.

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